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Hintergrund

Das Erreichen und Sichern einer hohen ärztlichen Behandlungsqualität ist ein zentrales Anliegen der ärztlichen Profession in Deutschland. Medizinische Fachgesellschaften und Berufsverbände entwickeln z. B. Leitlinien und Behandlungsempfehlungen für Klinik und Praxis. Um Qualität auch messen zu können, führen zahlreiche Initiativen unterschiedlicher Träger in verschiedenen Versorgungsbereichen Qualitätssicherungsmaßnahmen auf freiwilliger Basis durch. Auch die Ärztekammern verfügen – neben ihrer Kernaufgabe, der Sicherung der ärztlichen Qualifikation in Fort- und Weiterbildung – über langjährige Erfahrung und Kompetenz in der ärztlichen Qualitätssicherung. Man kann zusammenfassend von einer umfangreichen „Qualitätssicherungslandschaft“ sprechen, die in Deutschland außerhalb der gesetzlichen Qualitätssicherung nach Sozialgesetzbuch V bzw. anderen Gesetzen besteht Ein genauer Überblick über diese Landschaft war bis dato nicht möglich, da es kein zentrales Verzeichnis dafür gibt.

Die Bundesärztekammer hat das BQS-Institut (www.bqs-institut.de) beauftragt, eine Datenbank für freiwillige ärztliche Qualitätssicherungsinitiativen (im Weiteren als ÄQSI abgekürzt) zu entwickeln. Die Datenbank soll eine Übersicht über Qualitätssicherungsprojekte in Deutschland geben, die sich nicht auf gesetzlichen Regelungen gründen, sondern freiwillig sind und unter maßgeblicher Beteiligung der Ärzteschaft entstanden. Die Datenbank auf http://www.aeqsi.de soll Ärzten, die an der Teilnahme an einer Qualitätssicherungsinitiative in ihrem Fachbereich interessiert sind, eine anwenderfreundliche Recherchemöglichkeit bieten. Zugleich soll sie Anbietern dieser Initiativen ermöglichen, deren Bekanntheitsgrad zu steigern.

Was ist eine Ärztliche Qualitätssicherungsinitiative (ÄQSI)?

Eine ÄQSI wird wie folgt definiert: Freiwillige ärztliche Initiative zur systematischen und regelmäßigen (bzw. kontinuierlichen) Erfassung und Darlegung der ärztlichen Behandlungsqualität bei Patienten in Deutschland. Ziel der Initiative ist die Verbesserung der Behandlungsqualität.

Dabei gelten folgende Festlegungen:
Begriff Definition
freiwillig Die Teilnahme ist nicht verpflichtend. Der Arzt/die Einrichtung entscheidet frei über die Teilnahme. Eine Initiative kann auch eine gesetzlich vorgeschriebene Maßnahme beinhalten, aber freiwillig darüber hinausgehen.

Weitere Erläuterungen

ärztlich Die regelmäßige Einbindung ärztlicher Fachexperten in die Entwicklung, Gestaltung oder Trägerschaft der Initiative muss gegeben sein.

Weitere Erläuterungen

Initiative Maßnahme oder Maßnahmenkatalog, die/der aus eigenem Antrieb auf Basis der ärztlichen professionellen Autonomie entwickelt wird.
systematisch Die Maßnahme wird nach definierten Regeln für mehrere Teilnehmer und in für alle vergleichbarer Weise durchgeführt.

Weitere Erläuterungen

regelmäßig bzw. kontinuierlich Die Maßnahme wird nach definierten Regeln für mehrere Teilnehmer und in für alle vergleichbarer Weise durchgeführt.

Weitere Erläuterungen

Erfassung und Darlegung Die Maßnahme enthält eine Komponente zur Erfassung der Behandlungsqualität. Das teilnehmerbezogene Ergebnis der Messung muss dem Arzt/der Einrichtung zurückgespiegelt werden.

Weitere Erläuterungen

ärztliche Behandlungsqualität Die Maßnahme hat die Qualität der ärztlichen Behandlung zum Ziel, kann aber auch interprofessionell angelegt sein. Sie kann sich auf bestimmte Fachgebiete beschränken. Die Maßnahme bezieht sich auf einzelne Ärzte oder auf Einrichtungen, in denen Ärzte Patienten behandeln.

Weitere Erläuterungen

bei Patienten in Deutschland Die Maßnahme kann sich auf die Versorgung von Patienten jeglichen Versicherungsstatus beziehen.

Weitere Erläuterungen

Verbesserung Die Maßnahme ist angelegt auf eine Verbesserung der Qualität in der Patientenversorgung.

Weitere Erläuterungen

Qualitätssicherungsinitiativen können sich unterschiedlicher Instrumente bedienen, wie z. B. datengestützte Benchmarks, Patientenbefragungen, Qualitätszirkel, Kollegiale Gespräche, Audits, Peer Reviews. Im Einzelfall kann es schwierig sein, zu entscheiden, ob eine Initiative eindeutig die o. g. Kriterien erfüllt oder nicht. So ist eine ÄQSI möglicherweise abzugrenzen z. B. von wissenschaftlichen Registern oder Studien, von Fortbildungsmaßnahmen, von (gesundheits)politischen Initiativen oder kommerziellen Dokumentationssystemen. Auch kann der Grad der Freiwilligkeit einer Maßnahme möglicherweise unterschiedlich interpretierbar sein.

Was ist nicht eine ÄQSI?

In jedem Fall soll die ÄQSI- Datenbank nicht Qualitätssicherungsverfahren beinhalten, die auf dem Sozialgesetzbuch V (z. B. über G-BA-Richtlinien) oder auf anderen gesetzlichen Regelungen wie z. B. Transplantationsgesetz, Transfusionsgesetz oder Röntgenverordnung begründet sind. Nicht enthalten sind so auch IV-Vertragsmaßnahmen (Integrierte Versorgung) oder DMP-Dokumentationen (Disease Management Programme).

Im vertragsärztlichen Bereich führen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) in Deutschland zahlreiche Qualitätssicherungsmaßnahmen durch mit verpflichtenden, aber auch mit freiwilligen Komponenten (z. B. freiwillige Qualitätszirkel). Die Qualitätssicherungsmaßnahmen der KVen werden an anderer Stelle ausreichend dargestellt, z. B. im Qualitätsbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (http://www.kbv.de/html/1748.php). Sie sind nicht Bestandteil der ÄQSI.

Wer ist für die ÄQSI-Datenbank zuständig?

Die ÄQSI-Datenbank wurde über eine Internet-Recherche sowie über Ergebnisse einer Befragung wichtiger Gesundheitsorganisationen in Deutschland durch das BQS-Institut im Jahre 2012 angelegt. Die Pflege der Datenbank erfolgt bei der Bundesärztekammer, Dezernat 3.